Jetzt sind die vier Wochen meines Praktikums auf der Psychiatrie schon wieder vorbei. Es ist wirklich erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht, wenn einen was interessiert.
Am Anfang dieser Woche durfte ich auch bei drei Elektrokonvulsionstherapien dabei sein. Diese Behandlungen waren lange Zeit sehr verschrien, was sicher auch durch Filme wie “Einer flog über das Kuckucksnest” zusammenhängt. Früher wurde die Therapie ja ohne Narkose und nicht nur zu therapeutischen Zwecken sondern auch als Bestrafung für “aufsässige” Psychiatriepatienten durchgeführt.
Heutzutage ist das zum Glück anders. Die ECT wird nur durchgeführt, wenn die medikamentöse Therapie bei schweren Depressionen oder Schizophrenien nicht anschlägt. Außerdem ist sie das einzige Mittel gegen den katatonen Stupor der Schizophrenie, der einen lebensbedrohlichen Notfall darstellt.
Ich habe auch festgestellt, dass es Unterschiede im “Patientengut” gibt. Manchen Patienten kann medikamentös und psychotherapeutisch gut geholfen werden, so dass sie im weitesten Sinne ein “normales” Leben führen können. Andere Patienten, vor allem mit Persönlichkeitsstörungen, sind deutlich schwieriger zu behandeln und erfordern sehr viel Kraft und Energie. Manche sind nicht oder nur sehr schwer zugänglich und man bekommt den Eindruck, dass sie sich nicht wirklich helfen lassen wollen.
Sehr gut hat mir die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefallen. In den täglichen Visitenbesprechungen war das gesamte Team aus Ärzten, Psychotherapeuten, Ergo- und Physiotherapeuten und der Pflege anwesend und hat die Patienten besprochen. Dabei fand ich es wirklich toll, dass ich mich auch selbst mit meinen Beobachtungen und Eindrücken einbringen konnte. Man hat mich nie spüren lassen, dass ich “nur” Schüler bin. So was ist natürlich gut für das eigenen Ego
Als besonders erfreulich habe ich das Lob meines Mentors empfunden, der schon seit 40 Jahren in der Psychiatrie arbeitet. Er sagte, dass er bei mir den Eindruck hätte, dass ich schon mit meiner Ausbildung fertig wäre und er sich mich gut als Pfleger in der Psychiatrie vorstellen könnte.
Insgesamt war dieses Praktikum eine wichtige Erfahrung für mich persönlich, die ich nicht missen möchte. Vielleicht gehe ich ja mal auf die Psychiatrie zurück, wenn mir meine Anästhesielaufbahn nicht mehr gefällt 
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